Bonnhard/Bonyhád

Die größte Stadt des Hügellandes „Talboden/Völgység“ gehört zum Komitat Tolnau. Mit seinen knapp 14.000 Einwohnern liegt Bonyhád (deutsch Bonnhard) rund 40 km nordöstlich von Pécs.

Im 18. Jahrhundert ließen sich viele deutsche Familien in Bonnhard nieder. Die Mehrheit der Kolonisten kam aus dem heutigen Bundesland Hessen. Darauf weist auch das nach 1990 geschaffene, neue Stadtwappen hin: Sein oberes Drittel zeigt vor blauem Hintergrund einen silbernen und rot geteilten, steigenden Löwen mit Doppelschweif und ausgestreckter Zunge. Der Löwe trägt eine goldene Krone auf dem Kopf und hält in der rechten Pranke ein Schwert. Es ist wahrscheinlich die einzige Ortschaft, die auf diese Weise das Herkunftsland ihrer deutschstämmigen Bewohner darstellt. Unter der Spitze des Wappens kann man auf rotem Band die ungarisch-sprachige Losung lesen: „Mit Treue zum Vaterland“. Das weist darauf hin, dass Bonnhard das Zentrum der assimilationsbereiten Deutschen war, die sich auch gegen den deutschnationalen „Volksbund“ wandten. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren ihre Vertreter enttäuscht, da auch sie zu den „Vaterlandsverrätern“ gezählt und ebenfalls entrechtet und enteignet wurden. Sie wurden in dieselben Viehwaggons gesteckt, wie die „Volksbundler“-Deutschen und auch wie diese aus dem Land vertrieben.

Die Deportation der Juden 1944 und die Vertreibung der Deutschen betraf insgesamt ca. 3.500 Einwohner der Großgemeinde. In deren Häuser wurden teilweise geflohene Szekler aus der Bukowina, teils aus der Tschechoslowakei vertriebene Ungarn eingewiesen, insgesamt etwa 300 Familien.

Das bedeutendste Baudenkmal der Gemeinde ist die römisch-katholische Pfarrkirche auf dem Szabadság tér. Deren Grundstein 1769 gelegt wurde. Graf Esterházy, Bischof von Pécs, weihte die Kirche 1782 ein. Die einschiffige Barockkirche wurde auf Initiative vom Pfarrer Michael Winkler errichtet. Die Familien Kliegl und Perczel sicherten als Grundherren das nötige Baumaterial. Auch protestantische Leibeigene mussten beim Bau der Kirche Frondienst leisten.

An Michael Winkler erinnert im Vorraum der Kirche eine 1931 angebrachte Gedenktafel. Winkler hat sich auch mit einer Entdeckung verdient gemacht: Er fand im Pécser bischöflichen Archiv einen immerwährenden Kalender aus dem 16. Jahrhundert, der einst dem Franziskanerorden gehörte. Der Kalender enthält Gebete, Meditationen, Zitate aus der Bibel und Gesänge. Dieses wichtige Dokument befindet sich heute in der Landesbibliothek Széchenyi in Budapest. Es wurde nach seinem Entdecker „Winkler-Kodex“ genannt.

Quelle: Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum